Calcia optimiert den Klinkerbrennungsprozess mit einem Ofen-Einlaufsystem
Gasanalyse unter härtesten Bedingungen direkt am Drehrohrofen
2020 stellte Ciments Calcia, ein Tochterunternehmen von Heidelberg Materials, die Bedingungen eines umfassenden Investitionsprogramms für mehrere seiner Produktionsstandorte vor. Das Programm folgte der Strategie von Heidelberg Materials, einen nachhaltigen, CO₂-armen und leistungsstarken Geschäftsbereich aufzubauen. Es umfasste sogar eine neue Produktionslinie für 4.000 Tonnen Klinker pro Tag in seinem Zementwerk Airvault zur Verbesserung von Handling und Brennstoffeffizienz. Außerdem sollten Prozessoptimierungen an den französischen Zementproduktionsstandorten in Couvrot und Bussac-Forêt erzielt werden.
Die Ergebnisse
Gestützt auf umfassender Erfahrung und eine große installierte Basis an Prozessgas-Analysensystemen von SICK an den Einläufen der Drehrohröfen hatte sich Calcia dafür entschieden, den Auftrag zur Lieferung des Zement Sonden Systems für die in Frankreich umzusetzenden Projekte wieder an SICK zu vergeben.
Die Umrüstung des Calcia-Werks erfolgte nach einem sehr straffen Zeitplan. SICK hielt sich an den Zeitplan, indem die Fertigung des Systems priorisiert und die technischen Abnahmen sowie die logistischen Maßnahmen entsprechend koordiniert wurden.
Installation und Inbetriebnahme wurden effizient mit Unterstützung des Wartungspersonals am Standort geleitet und durchgeführt. Seit der Installation und Inbetriebnahme gab es nur einen minimalen Wartungsbedarf, und die Systemverfügbarkeit war überdurchschnittlich.
Dieser Artikel wurde erstmals am 17. Januar 2024 auf www.sick.com veröffentlicht. Seit dem 1. Januar 2025 vertreibt Endress+Hauser weltweit exklusiv die Gasanalysen- und Durchflussmesstechnik von SICK.
Die Zementindustrie ist eine der energieintensivsten Branchen weltweit; der Energieanteil macht bis zu 40 % der Produktionskosten aus. Aus diesem Grund sucht sie aktiv nach alternativen Brennstoffen, um ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Diese sind nicht nur teuer, sondern führen auch zu einem Anstieg der Treibhausgasemissionen. Einer der beliebtesten alternativen Brennstoffe in der Zementindustrie ist aus Abfällen gewonnener Brennstoff, zu dem Materialien wie Holzhackschnitzel, Altpapier, Kunststoffe, Reifen und Altöl gehören. Diese Materialien können verwendet werden, um einen großen Teil der fossilen Brennstoffe im Produktionsprozess zu ersetzen, wodurch Kosten gesenkt und gleichzeitig die Dekarbonisierung vorangetrieben wird. Insgesamt wird der Trend zu alternativen Brennstoffen in der Zementindustrie von der Notwendigkeit getrieben, Kosten und Emissionen zu senken und gleichzeitig auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.
In der Zementindustrie ist allgemein bekannt, dass ein hoher Anteil an alternativen Brennstoffen das Risiko von Zyklonverstopfungen, Ringbildung und Korrosionsproblemen erhöht, was zu Druckverlusten, erhöhtem Verschleiß an den Ofendichtungen, unvollständiger Verbrennung sowie einer verstärkten Schwefel- und Chlorverflüchtigung führt Darüber hinaus kann eine Verengung des Ofendurchmessers zu einer schlechten Klinkerqualität und eine erhöhte Gasgeschwindigkeit zur Folge haben; Dies wiederum kann die Staubbildung verstärken und im thermochemischen Prozess sogar lokale Hotspots verursachen, wodurch das Feuerfestmaterial und die Außenhülle des Ofens beschädigt werden können. Die damit üblicherweise verbundenen Auswirkungen sind häufige Ofenstillstände, eine verminderte Ofenverfügbarkeit, eine geringere Produktivität und eine verminderte Klinkerqualität aufgrund von sich lösenden Ablagerungen. Dieses Phänomen lässt sich jedoch vermeiden, indem die Gaszusammensetzung im thermochemischen Prozess überwacht und diese Informationen zur Prozesssteuerung genutzt werden, um stabile und optimierte Bedingungen aufrechtzuerhalten.
Bereits zu Beginn des Projekts legten die Verantwortlichen bei Calcia großen Wert auf die Auswahl eines Prozessgasanalysesystems, das den wachsenden Anforderungen an die Prozesssteuerung in modernisierten und zukünftigen Anlagen gerecht wird.
Die Kundenanforderung
Die Hauptaufgaben von Prozessgasanalysatoren am Ofeneinlauf in Zementwerken sind folgende:
Messen der Zusammensetzung des Prozessgases im rotierenden Teil des Ofens
Regelung des Luftüberschussverhältnisses (O2) am Ofeneinlauf
Regelung der Kohlenmonoxidkonzentration (CO) und der Verbrennungsqualität
Überwachung der NO- und NO2-Konzentrationen für die Emissions- und Temperaturregelung
Überwachen flüchtiger Schwefelverbindungen (SO2)
Übertragung von Informationen über die Konzentrationen der oben genannten Gase zur Brennersteuerung, zur Anpassung der Brennstoff- und Rohstoffmischung sowie zur Prozessgassregelung.
Neben diesen Funktionen haben andere Kunden von der Fähigkeit des Analysesystems profitiert, durch die Messung der Chlorwasserstoffkonzentration (HCl) im Brennofen Einblicke in den internen Chlorzyklus zu bekommen, was den Anlagenbetreibern dabei hilft, Verstopfungsprobleme aufgrund hoher Chlorflüchtigkeit zu reduzieren. Darüber hinaus sind diese Informationen nützlich, um den Volumenstrom des Chlor-Bypassgases zu begrenzen und so die HCl-Emissionen niedrig zu halten.
Messungen in rauen Umgebungen mit Staubkonzentrationen von bis zu 2.000 Gramm pro Kubikmeter (g/m³) und Temperaturen von fast 1.400 °C stellen eine Herausforderung dar; doch die Hochtemperatur Gasentnahmesonde SCP3000 mit ihrer wassergekühlten Sonde und ihrer hochwirksamen Selbstreinigungsfunktion ist jedoch eine zuverlässige Lösung für die Gasentnahme am Ofeneinlass. Dank ihrer speziellen Konstruktion und des Hochdruck-Rückspülsystems wird ein Verstopfen der Sonde selbst bei Einsatz in Ofengasen mit hohem Staubgehalt und großen Mengen an Chlor- und Schwefelverbindungen verhindert. Der optimierte und verstärkte Gaseinlass an der Sonde ist in einem Winkel entgegen der Gasströmung angebracht, wodurch das direkte Eindringen von Staub und Partikeln in das Entnahmesystem minimiert wird. Dies schützt das hochkorrosionsbeständige Sondenrohr, das in Längen von 2,5 bis 4 Metern erhältlich ist, vor Abrieb und Verstopfung.
Die Sonde wird von einem externen Wasser/Wasser- oder Luft/Wasser-Wärmetauscher gekühlt. Da keine beweglichen mechanischen Teile im Messgasweg vorhanden sind, können große Gasmengen erfasst werden. Gleichzeitig werden die Auswirkungen thermischer Belastungen sowie Blockierungen durch die begrenzte Kontaktfläche im Inneren der Sonde vermieden. Zum Entstauben wird das Gas durch den beheizten Metallgewebefilter geleitet, der in der Filtereinheit am Ende der Sonde installiert ist. Um die für die Wartung erforderliche Zeit zu verkürzen, werden Filter, Filterkammer und Sondenrohr über die integrierte Rückspüleinheit mit Druckluft gespült. Die Reinigungssequenz kann automatisch oder manuell gestartet werden. Die regelmäßige Drehung der Sonde um +/-45° sowie die Möglichkeit, die Sonde im Betrieb um 10 cm ein- bzw. auszufahren, ohne dafür die Messung zu unterbrechen, verhindern, dass Ablagerungen anhaften und an der Außenfläche der Sonde festbacken. Dadurch kann die Sonde jederzeit entnommen werden. Dafür ist das System zusätzlich zu einer elektrischen Ausfahrvorrichtung mit einem pneumatischen Notantrieb ausgestattet, mit dem die Sonde selbst bei einem Stromausfall mithilfe eines staubfesten Spindelantriebs aus dem Drehrohrofen entfernt werden kann. Der mechanisch oder pneumatisch gesteuerte Dichtflansch verhindert, dass heiße Materialien aus dem Drehrohrofen herausfließen, und schützt Menschen und Maschinen im Außenbereich. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass keine Umgebungsluft in das Innere des Ofens gelangt. Die beheizten Komponenten des Systems verringern das Risiko von Wärmebrücken und die mit ihnen verbundenen Probleme durch Kondensation korrosiver Gase. Infolgedessen ist eine hohe Systemverfügbarkeit von über 95 % garantiert. Die Steuereinheit und das bauseitige Bedienfeld ermöglichen sowohl einen automatischen als auch manuellen Betrieb des Geräts über einen integrierten Touchscreen.
Die manuelle Inspektion und Reinigung des SCP3000-Staubfilters wird durch den Zugang zur Rückseite der Sonde erleichtert.
Komplettlösungen für die Gas-Analyse
Endress+Hauser ist einer der wenigen Anbieter, die Komplettlösungen für Gasentnahmesonden und Analysatoren anbieten. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen über die längste Erfahrung mit Gasanalysatoren am Ofeneinlauf von Zementdrehrohröfen, die auf der Hot-Wet-Messtechnik basieren. Mit dem Mehrkomponenten-Gasanalysator MCS300P HW und seinem nicht-dispersiven Infrarot (IR)-Photometer können Zementhersteller bis zu 6 aktive Gaskomponenten im IR-Bereich, und sowie Sauerstoff messen. Für Anwendungen am Ofeneinlass ist das Analysesystem in der Regel so konfiguriert, dass es alle verbrennungsrelevanten Gaskomponenten wie O₂, CO, CH₄ (bei Verwendung von Erdgas), NO, CO₂ sowie Prozessparameter wie SO₂, HCl und NH₃ misst. Dank der Hot-Wet-Messtechnik wird der Gasweg von der Probenahmesonde bis zum Gasanalysator vollständig beheizt. Dies gewährleistet, dass die entnommenen Gase stets oberhalb ihres Taupunkts verbleiben, wodurch Risiken im Zusammenhang mit Kondensatbildung – wie etwa Säurekorrosion oder Verstopfungen der Leitungen – minimiert werden. Da die Gasprobe nicht gekühlt wird, können sogar wasserlösliche Komponenten wie NH3, HCl und SO2 mit einer einzigen Messzelle und ohne aufwändige Gasaufbereitung oder rechnerische Korrekturen gemessen werden. Zudem erfordert die Hot-Wet-Technologie von Endress+Hauser keine zusätzlichen Gaskühler, speziellen Säurefilter undWasserabscheider. Ein Wasserstoffperoxid-Dosiersystem, um korrosives SO2 aus dem Prozessgas zu entfernen, ist ebenfalls nicht notwendig. Dies reduziert den Wartungsaufwand und den Verbrauch von Verbrauchs- und Ersatzteilen.
Die Kombination aus der Hochtemperatur-Gasentnahmesonde SCP3000 und dem Mehrkomponenten Hot-Wet-Gasanalysator MCS300P ermöglicht es, die Herausforderungen bei der Gasmessung am Ofeneinlass in Zementwerken zu bewältigen – unabhängig von hohen Gastemperaturen, hoher Staubbeladung oder korrosiven Gasen – ohne dass komplexe und wartungsintensive Probenaufbereitungssysteme erforderlich sind. Die automatisierten Selbstreinigungs- und Selbstjustierungsfunktionen des Analysesystems gewährleisten eine hohe Verfügbarkeit und führen zu deutlich niedrigeren Betriebskosten als bei herkömmlichen Systemen auf Basis der Kalt-Trocken-Messtechnik, bei denen die Gasprobenaufbereitung in der Regel sehr komplex und wartungsaufwendig ist. Dadurch können die Betriebskosten der Hot-wet-Messtechnik bis zu 40 % niedriger sein als die von Systemen auf Basis der Kalt-Trocken-Messtechnik. Das System ist für den Einsatz mit schwierigen Brennstoffen mit hohem Schwefelgehalt (z. B. Petrolkoks) und alternativen Brennstoffen (Reifen, RDF, Öle, Holzhackschnitzel, medizinische Abfälle usw.) optimiert und somit auch in hochaggressiven Messatmosphären zuverlässig einsetzbar.
Die Monitoring Box ist eine digitale Lösung zur fortlaufenden Überwachung des Geräte- und Anlagenstatus sowie der Anwendung selbst.
Der MCS300P HW Mehrkomponenten-Gasanalysator und sein nicht-dispersives Infrarot (IR)-Photometer
Digitale Lösung: Heute schon wissen, was morgen passieren wird
Calcia plant, in Zukunft die Condtions Monitoring Lösung von Endress+Hauser einzuführen, einen neuen digitalen Dienst, der die Verfügbarkeit des Prozessgasanalysesystems am Ofeneinlauf erhöht. Monitoring Box ist eine digitale Lösung zur kontinuierlichen Zustandsüberwachung von Geräten und Anlagen sowie des Prozesses selbst. Wichtige Daten von angeschlossenen Geräten werden vom Gateway erfasst, verschlüsselt und über Mobilfunk, LAN oder WLAN zur weiteren Verarbeitung an einen sicheren Cloud-Host gesendet.
Die zustandsorientierte Instandhaltung überwacht alle wichtigen Parameter, die Aufschluss über den Zustand des gesamten Systems geben – einschließlich des Gasanalysators, des Probeentnahmesystems und aller Zusatzgeräte wie des wassergekühlten Kühlsystems für das Gasentnahmeschlauchrohr oder der speicherprogrammierbaren Steuerung.
Verhindern ungeplanter Ausfälle und Stillstandszeiten
Diese erfassten Daten können in der Web-Anwendung der Zustandsüberwachung angezeigt und ausgewertet werden. Wesentliche Veränderungen beim Zustand des Geräts werden überwacht, sodass das Wartungspersonal rechtzeitig eingreifen und die Systemverfügbarkeit gewährleisten kann. Der Service der Zustandsüberwachung verbessert damit die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Anlage und trägt dazu bei, ungeplante Ausfälle und Stillstandszeiten zu vermeiden. Im Rahmen eines Servicevertrags können verbundene Geräte als Option auch durch Endress+Hauser überwacht werden.
Diese Informationen ermöglichen es, Probleme zu erkennen, bevor sie auftreten. Für die Betreiber bedeutet dies eine längere Lebensdauer des Systems und eine schnellere Amortisation der Investition. Darüber hinaus ermöglicht diese Lösung Endress+Hauser, die Wartung zu optimieren und eine sofortige Fehlerbehebung sicherzustellen, wodurch Reisekosten und Arbeitsstunden für Wartungstechniker reduziert werden.
Diese Einsparungen kommen direkt dem Zementhersteller zugute. Gründliche Fernüberprüfungen verbessern zudem die Qualität der Daten aus den Analysesystemen. Diese Verbesserungen steigern die allgemeine Wartungseffizienz und können die Lebensdauer der des kompletten Gasentnahmesystems verlängern.
Eine skalierbare Lösung
Dank der guten Beziehung zwischen SICK und Calcia sowie vielen anderen Zementwerken der Heidelberg Materials Group weltweit wurde das Werk in Couvrot am Ofeneinlauf mit dem Prozessgasanalysesystem SCPS3300 ausgestattet, bestehend aus einer Gasentnahmesonde SCP3000 und einem extraktiven Hot-wet-Mehrkomponenten-Gasanalysator MCS300P – der am besten geeignete Lösung für diese wichtige und anspruchsvolle Messaufgabe. Auch die Standorte Beaucaire und Airvault haben diese Lösung installiert.
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