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Die Segel setzen

Die maritime Welt ist Hinrich Brumms Leidenschaft. Privat hat der Hamburger gerade mit dem Segelboot den Atlantik überquert. Beruflich entwickelt er Lösungen für eine saubere Schifffahrt.

21.07.2026 Text: As told to Christine Böhringer Fotografie: Hinrich Brumm
Sulfur caps on marine fuels were introduced worldwide in 2020.

„Vor einem Jahr habe ich mir meinen großen Traum erfüllt: Mit meinem Segelboot habe ich den Atlantik überquert, gemeinsam mit zwei Freunden. 11.000 Kilometer von Kappeln in der Ostsee über Marokko und die Kanaren bis in die Karibik! In den drei Monaten auf See ist mir deutlich wie noch nie geworden, wie großartig und wertvoll unsere Natur ist. Und dass mein Beruf als Industriemanager bei Endress+Hauser SICK Berufung ist: Die maritime Industrie soll effizienter und umweltfreundlicher werden. In meinem Job stoße ich Entwicklungen für innovative Lösungen an, die uns diesem Ziel näherbringen.

Die Vorschriften sind für die Branche schon viel strenger geworden: Seit 2020 gelten für Schiffskraftstoffe weltweit Schwefelgrenzwerte, seit 2024 müssen in der EU Schiffe für ihren CO2-Ausstoß bezahlen. An einer globalen Regelung wird auch hier gearbeitet, denn 2050 soll der weltweite Seeverkehr netto-null Emissionen erreichen. Das hat die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO beschlossen. Kunden und Geldgeber fragen längst nach dem ökologischen Fußabdruck. Es wird also immer wichtiger, Emissionen richtig zu erfassen und dann schnell zu verringern.

Hinrich Brumm ist  Industriemanager bei Endress+Hauser SICK. ©Endress+Hauser

Aktuell werden die Schiffsemissionen oft manuell anhand des Kraftstoffverbrauchs ermittelt. Dazu wird meist nur die Tankquittung genutzt oder nicht selten misst dafür ein Crewmitglied mit Lot und Faden den Füllstand der Kraftstofftanks. In der Reederei schaut jemand, ob die Zahlen stimmig sind, und leitet sie weiter. Dieser Prozess ist aufwändig und fehleranfällig, deshalb wollen wir ihn bei Endress+Hauser SICK mit einer Idee von mir automatisieren: Wir entwickeln dazu ein System für direktes, verifiziertes Emissionsreporting. Wir wollen mit innovativer Sensorik alle Emissionen im Schornstein messen, kontinuierlich und in Echtzeit. Die Daten werden dann in einer Cloud erfasst, dort offiziell verifiziert und auf sicherem Weg an alle relevanten Stellen übermittelt.

Das System könnte Reedereien viel Arbeit ersparen und Compliance-Sicherheit bieten. Außerdem würden sie durch die genauen Messungen auch präzise Einblicke in das Emissionsverhalten ihrer Schiffe bekommen und könnten in Folge den Kraftstoffverbrauch und damit die Emissionen senken. Um das System zu realisieren, arbeiten wir in einem vom deutschen Staat geförderten Forschungsprojekt mit zwei Fraunhofer-Instituten, einer Containerschiffreederei, dem Hafen Hamburg, der Flotte Hamburg und einer internationalen Klassifikationsgesellschaft zusammen.

Ich bin überzeugt, dass die Schifffahrt die Dekarbonisierung bewältigt. Sie ist geübt darin, global alle Kräfte zu bündeln. Für einen erfolgreichen Klimaschutz müssen wir so ähnlich wie bei einer Atlantiküberquerung vorgehen: Koordiniert anpacken, einen kühlen Kopf bewahren und immer ‚all hands on deck‘. Nur gemeinsam setzen wir die Segel richtig und
können große Aufgaben meistern.“

Mit Leidenschaft

Hinrich Brumm (56) ist in Hamburg aufgewachsen, wo der Hafen mitten in der Stadt liegt und das Fernweh nicht weit ist. Schon während seines Studiums der Umwelt- und Verfahrenstechnik hat er sich deshalb mit der Frage beschäftigt, wie man Schiffsemissionen messen und reduzieren kann. Bevor er Industriemanager bei Endress+Hauser SICK wurde, hat sich der Ingenieur unter anderem 15 Jahre bei der internationalen Klassifikationsgesellschaft DNV GL für eine saubere Schifffahrt eingesetzt. Privat segelt er mit seinem Boot, einer 43 Jahre alten 36-Fuß Hallberg-Rassy 352.

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